Gymnasium Hankensbüttel

Latein

Warum Latein lernen?

Warum diese tote Sprache, die sowieso kein Mensch mehr spricht?

Das ist das Hauptargument, was unwissende Menschen gerne vorbringen, um zu begründen, warum man Latein nicht als 2. Fremdsprache wählen sollte. Dabei gibt es viele gute Gründe wie die nachstehende Aufstellung (des Verlags Vandenhoeck & Ruprecht) zeigt:

Latein – Muttersprache Europas

Viele Länder Europas gehören zur romanischen Sprachfamilie. Zu Zeiten des Imperium Romanum hatte sich hier das Latein gegenüber den ursprünglichen Sprachen durchgesetzt und lebt heute in modernen Formen weiter. Seit den großen Entdeckungsfahrten gehören auch die Länder Süd- und Mittelamerikas und weite Teile Afrikas dazu. Wer Latein kann, hat es beim Erlernen der romanischen Sprachen leichter. Das gilt ebenso für das Englische, das ja von Wörtern mit lateinischem Ursprung sehr stark durchsetzt ist.

Latein – Lehrmeister der deutschen Sprache

Auch die deutsche Sprache lernt man am besten über das Latein. Die Übersetzung aus dem Lateinischen ins Deutsche verlangt nämlich nicht nur die präzise Wiedergabe eindeutig definierter Formen und Konstruktionen, sondern auch genaues Nachdenken über die Bedeutung eines lateinischen Wortes für den zu übersetzenden Text. Improvisieren kann beim Übersetzen ordentlich ins Auge gehen. Das beweisen die vielen Stilblüten in Übersetzungen, bei denen der Übersetzende eben nicht sorgfältig genug hingeschaut und über Inhalt und Sinn des Satzes nachgedacht hat.

Latein – Verständigungsmittel

Nein, nicht für Auslandsreisen. Gemeint ist die Verständigung mit Menschen, die vor vielen Jahrhunderten gelebt, gedacht, gehofft, getrauert und gelacht haben. Sich in ihre Gedanken hineinversetzen zu können, ist das eigentliche Faszinosum beim Erlernen antiker Sprachen. Es öffnet sich eine Welt, die trotz ihrer zeitlichen Ferne plötzlich ganz nahe ist und lehrt, dass sich zwar Verhältnisse, nicht aber die Menschen ändern.

Latein – Vorbild im Denken

Ciceros couragiertes Eintreten für Recht und Gesetz ist so zeitlos wie die lebensbejahende Bescheidenheit des Horaz. Vor dem konsequenten Verhalten des Sokrates und dem Mut von Agnodike und Epicharis können wir nur den Hut ziehen. Der universelle Forschergeist des älteren Plinius hat seinen Vorbildcharakter ebenso bewahrt wie die Sachlichkeit, mit der Minucius Felix sein höchst brisantes Thema aufarbeitet. Auch die nüchternen Analysen des Tacitus zur Tagespolitik und die feinfühlige Poesie des Ovid haben an Aussagekraft nichts verloren. Und diese Beispiele lassen sich beliebig erweitern.

Latein – Grundlage des Humanismus

Erasmus von Rotterdam und die Humanisten haben die Freiheit des Gewissens als höchstes Gut des Menschen wiederentdeckt und damit die Aufklärung maßgeblich mit vorbereitet. Sie sahen ihre Ideale im Denken der Griechen und Römer verkörpert und propagierten eine Rückbesinnung auf die Werte der Antike. Humanismus war für sie gleichzusetzen mit dem Anspruch des Menschen auf ein menschenwürdiges und selbstbestimmtes Dasein, das auf einer fundierten Allgemeinbildung und einer weitsichtigen und menschenfreundlichen Moral fußt. Unsere Gegenwart lehrt, dass die Menschheit noch meilenweit davon entfernt ist. Daher darf Schule nicht müde werden, an den Zielen der Humanisten weiterzuarbeiten.

Latein am Gymnasium Hankensbüttel

Das Fach Latein hat seit einigen Jahren einen deutlichen Aufschwung an unserer Schule erlebt. Dieses zeigt sich nicht nur an den großen Anmeldezahlen (im Schnitt etwa 50 % eines Jahrganges wählen Latein als 2. Fremdsprache), sondern auch an den großen Erfolgen, die 2010 im Gewinn des 1. Landes- und 3. Bundespreises für das von Herrn Witt geschriebene Theaterstück „Ictus in cor“ gipfelten. Wir können seit mehreren Jahren durch eine solide Arbeit in der Mittelstufe gewährleisten, dass unsere Schülerinnen und Schüler auf erhöhtem oder grundlegendem Niveau das Große Latinum erreichen können, das immer noch an vielen Universitäten und für viele Studienfächer eine Voraussetzung oder zumindest eine sehr sinnvolle Grundlage ist.

Fahrt nach Xanten und Kalkriese

Als ein besonderes Highlight tauchen wir jedes Jahr im Juni mit allen Schülerinnen und Schülern des 6. Jahrgangs, die Latein als zweite Fremdsprache lernen, in die Welt der Römer ab. Drei Tage sind wir unterwegs und besuchen zunächst Kalkriese – Ort der Varusschlacht – und fahren dann weiter nach Xanten, wo wir einen ganzen Tag den Archäologischen Park (APX) unter die Lupe nehmen. Führungen durch Park, Museum und Thermen gehören dabei ebenso zum Programm wie die Erstellung von Schreibtafeln und Fibeln sowie das Anlegen römischer Kleidung. Auf dem Rückweg besuchen wir das Museum in Haltern (Westfalen), wo wir auf den Spuren eines ehemaligen römischen Lagers z.B. Getreide mahlen, in ein römisches Soldatenzelt kriechen oder ein Marschgepäck überlegen.

Mitglieder der Fachgruppe Latein